Die Taijiquan-Qigong-Szene

Die Vernetzung unter den Praktizierenden östlicher Übe-Systeme schreitet weltweit stetig voran - stark gefördert von den modernen Digitalen Medien. Dieser Ausbau verbindet unterschiedlichste Gruppen von Menschen unabhängig vom Alter, Geschlecht oder Beruf. Dadurch wird es zunehmend schwerer, verläßliche Aussagen über die Szene zu machen - alles ist im Fluß. Einen ersten Einblick in diese für viele fremde Welt mit ihrer Nimbus von Magik und Mystik bieten diejenigen Fach-Organisationen, die sich als Szene-Sprecher präsentieren. Ihre Vielfalt spiegelt die Diversität der Szene gut wider. Anspruch und Wirklichkeit klaffen auch hier weit auseinander.

Austausch und Kontakte werden dadurch sehr erschwert - es fehlt eine "gemeinsame Sprache" und mit der Zunahme der Gruppierungen, Netzwerke und "Fach-Foren" bilden sich immer mehr "Sub-Kulturen". Insider fordern daher mehr Einheitlichkeit, aber bislang ohne jeden Erfolg.

Gerade unlängst hat die Szene einen neuen Tiefpunkt erreicht: Die Krankenkassen haben das Vertrauen in die Szene-Leitlinien verloren und eigene Standards entwickelt. Sie sind gut vergleichbar mit denen des Taijiquan-Qigong-Zentralverbandes DTB.

Die Taijiquan-Qigong-Szene - Rolle der Verbände

DTB-Abgrenzung von der Taijiquan-Qigong-Szene, DDQT, Netzwerk / BVTQ und Qigong-GesellschaftDie Bildung von Verbänden ist im Taijiquan und Qigong ein Phänomen der neueren Zeit. In der traditionellen Weitergabe der Übungen vom Vater auf den Sohn innerhalb der Familien-Clans reichte dieser auf die Blutlinie und der damit gegründeten Loyalität üblicherweise aus. Im Zuge der weltweiten Ausbreitung haben dann auch die chinesischen Familien-Dynastien begonnen, eigene Familien-Organisationen aufzubauen und rund um den Globus zu etablieren. Dabei waren sie auf die tatkräftige Unterstützung ihrer internationalen Schülerschaft angewiesen.

Solche Gruppierungen sind nicht einheitlich organisiert sondern gehören beispielsweise zum 2003 gegründeten DDQT-Dachverband und Organisationen, die sich vom DDQT abgespalten haben wie die Gründungsmitglieder Dt. Qigong-Gesellschaft und BVTQ - Das Netzwerk. Ihr gemeinsamer "Heiliger Gral" ist ein Konglomerat aus Okkultismus und Esoterik-Traditionen. Oft findet man in diesen "Qi-Welten" auch Lobbyismus, Deutungshoheit und Beliebigkeit. Der Taijiquan-Qigong-Dachverband DTB grenzt sich davon ab. Kürzlich sind auch die Krankenkassen auf diese Handlungsweise umgeschwenkt - mit eigenen Vorgaben für Aus- und Fortbildung.

Video-Update: Institutionen, Foren und Netzwerke in Deutschland

Ähnlich wie im politischen Leben sind die Taijiquan-Qigong-Praktizierenden aufgespalten in unterschiedliche Strömungen mit stark divergierenden Vorstellungen. Wichtig ist dies vor allem im Bereich von Aus- und Fortbildung. Wer sich dafür interessiert, sollte bescheid wissen über die Struktur und Rollen der verschiedenen Organisationen. Es berät gern DTB-Geschäftsführer Dr. Stephan Langhoff unter Tel 040 2102123.

Dazu gibt es nun eine Video-Serie von DTB-Geschäftsführer Dr. Stephan Langhoff. In einer sehr persönlichen Rückschau über seine fünf Jahrzehnte währende Erfahrung beleuchtet der promovierte Philologe die "eingebauten Webfehler" der eng-gefaßten Szene-Sehweisen. Siehe dazu auch die Hinweise zu Nils Klug, Hannover (DDQT-Exvorstand)

Der Taiji-Qigong-Spitzenverband DTB bietet mit seiner bundesweiten "Lehrerschmiede ZPP" den Königsweg für die begehrte Kassen-Zulassung. Noch nie wurde ein DTB-Antragsteller abgelehnt. Somit ist klar, daß der DTB-Dachverband mit der "Taiji-Qigong-Szene" nicht verwechselt werden möchte. Quelle: Taijiquan-Qigong-Szene Deutschland.

Der 1996 gegründete DTB-Dachverband ist bundesweiter Ansprechpartner für alle Fragen des Taijiquan und Qigong. Der gemeinnützige Verein fördert und vebreitet diese chinesischen Übe-Systeme zusammen mit einer Vielzahl von Institutionen der Gesundheitsbildung in ganz Deutschland. Seine Zielgruppe ist jedoch nicht die Gesamtheit aller Praktizierenden, denn er grenzt sich ab von denjenigen Taijiquan-Qigong-Anhängern, die sich selbst als "Taiji-Qigong-Szene" bezeichnen.

Die Entwicklung der Taiji-Qigong-Szene in Deutschland

Als sich in den Siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts chinesische "Qi-Übungen" im Westen verbreiteten, war in dieser "New-Age-Welt" für kritisches Hinterfragen wenig Platz. Besonders Lehrende, die persönlich von Angehörigen chinesischen Familien-Clans gelernt hatten, betonten Loyalität ihren Meistern gegenüber und diese wiederum betonten den althergebrachten Wude-Moralkodex ihrer Vorgänger. Dieser fragwürdige unkritische Bezug auf taoistische Traditionen und Gepflogenheiten lebt bis heute fort und hat zu vielerlei Problemen hinsichtlich Transparenz, Graduierung und Teilnehmerschutz geführt.

Aber es gab von anfang an auch warnende Stimmen wie Dr. Stephan Langhoff. Der Mitbegründer des Tai Chi Zentrum Hamburg ev verfügt über eine ca. 50-jährige Erfahrung - sowohl mit dem Übungsgut als auch mit Organisationen. Der promovierte Philologe empfiehlt allen Praktizierenden und Interessierten den nötigen "Blick über den Tellerrand".

Was ist die Taiji-Qigong-Szene heute?

Chinesische Gesundheitsübungen wie Taijiquan (Taiji-Quan) und Qigong werden in Deutschland auf ganz unterschiedliche Art und Weise betrieben. Die Mitglieder im Taijiquan-Qigong-Zentralverband DTB ev praktizieren die Künste als Gesundheitssport und bilden in diesen Sparten auch Lehrer aus. Sie werden von der ZPP anerkannt für Krankenkassen-Kurse.

Dazu im Gegensatz gibt es andere Vereinigungen, für die nicht das sportliche sondern das esoterisch-romantische im Vordergrund steht. Und tatsächlich sind die Übesysteme historisch und kulturell ja von Mythen, Legenden und taoistischen Traditionen geprägt. Dennoch wurden sie trotz aller Warnungen bis 2021 von den Krankenkassen  zertifiziert.

Diese bezeichnen sich selbst als "Taijiquan-Qigong-Szene" oder kurz "Taiji-Qigong-Szene". Hier gibt es keine einheitlichen Standards, sondern man findet eine extreme Bandbreite von Beliebigkeit und "Adhoc-Sichtweisen". Der Begriff "Szene" ist für ihr künstlerisches Selbstverständnis bezeichnend: Man baut sich die Kulissen so, wie es gerade ins Filmbild paßt. Dieses Arbeiten an Illusionen ist aus Künstler-Sicht normal, aber als Qualitätssicherung natürlich untauglich.

Es ist daher klar, daß Lehrende dieser "Qi-Erlebniswelten" vom DTB-Dachverband weder zertifiziert noch akkreditiert werden. Auch wird ihr Unterricht beim DTB nicht angerechnet für Aus- und Fortbildung. Nun hat auch der Krankenkassen-Verband Vdek "die Notbremse gezogen", eigene Vorgaben entwickelt und alle "Fachorganisationen" der Szene aus dem ZPP-Leitfaden gestrichen.

Qi-Energie - der heilige Szene-Gral

Der traditionell hohe Stellenwert von "Qi", "Jin" und "Yi-Vorstellungskraft" in der chinesischen taoistischen Denkungsart zeigt sich u. a. in Meditation, Kampfkunst und Gesundheitsförderung. Somit muß diese uns fremde Energie-Konzeption auch beim Taijiquan und Qigong berücksichtigt werden. Es bildete den roten Faden bei der Überlieferung von Generation zu Generation innerhalb der Familien-Dynastien.

Die DTB-These: Übertriebenes "Yi" kann zu mangelhafter Selbsteinschätzung führen. Eine solche Abkehr von der Realität paßt zu dem Szene-Motto "Ich male mir die Welt, wie sie mir gefällt". Kein Wunder, daß allerorts "Qi-Meister" mit absurden "Qi-Fakes" auftauchten.

Immer mehr selbsternannte "Spin-Doktoren" melden sich zu Wort und propagieren "gefühlte Fakten". Damit verbunden ist das Ziel vieler, dass die Taijiquan-Qigong-Szene bei aller Unterschiedlichkeit möglichst gemeinschaftlich nach außen auftreten soll. Aber die innewohnende Unschlüssigkeit vieler Praktizierender und ihrer Protagonisten befördert auch hier eine "Schwarm-Intelligenz" - besonders deutlich in den Socialmedia-Filterblasen.

DTB-Dachverband als Szene-Korrektiv

Der DTB hatte der ZPP die oben erwähnte Streichung der "Fachorganisationen" aus dem Leitfaden von anfang an empfohlen und sein selbst entwickeltes "Scoring-Modell" angeboten. Genau solche Verfahren müssen nun auch Institutionen der Taiji-Qigong-Szene umsetzen, falls sie nach den neuen Kassen-Bedingungen zugelassen werden möchten. Dies ist ein großartiger Erfolg für den DTB ev und sein Ausbildungsinstitut.

Diese "DTB-Lehrerschmiede", das "Tai Chi Zentrum Hamburg ev, wurde bereits 1989 von Dr. Stephan Langhoff gegründet. Ziele waren u. a. De-Mastifizierung, Transparenz und Teilnehmerschutz. Rasch entwickelte sich der Ansatz des ideologie-freien Faktenchecks zu einem Korrrektiv der damaligen "Quasi-Religiosität" mit ihren phantasievollen "Qi-Welten", in denen Fiktionen mehr galten als Tatsachen und Argumentation.

Als sich in der Folgezeit ein Teil der Szene-Befürworter in Vereinigungen wie dem DDQT-Dachverband organisierte, offenbarte sich das schwammige Selbstverständnis. Der DDQT als Lobby-Verband gründete sich damals als Reaktion auf den DTB-Dachverband und Mitglieder wie Nils Klug sprachen ihm jegliche Seriosität ab. Siehe Nils Klug (Ex-DDQT-Vorstand), Hannover.

Später traten DDQT-Gründungsmitglieder wie das Taijiquan-Qigong-Netzwerk Deutschland und die Deutsche Qigong-Gesellschaft aus und entwickelten eigene Leitlinien für Aus- und Fortbildung. Auch diese Szene-Standards sind vom DTB nicht anerkannt. Gleiches gilt für Heilslehren chinesischer Organisationen. Siehe Taiji-Quan-Qigong-Szene in Deutschland.

Die Taijiquan-Qigong-Szene und ZPP-Qualitätskontrolle

2021 hat der wichtigste externe Qualitätssicherer für chinesische Gesundheitsübungen ein Fanal gesetzt, das einem "Gamechanger" darstellt. Im Zuge der "Akademisierung des Taijiquan und Qigong" hat er eigene Ausbildungsvorgaben veröffentlicht, die Standards der "Fachorganisationen" der Szene kurzerhand für ungültig erklärt und sie aus dem ZPP-Leitfaden gelöscht. Was war passiert, daß es zu einem solchen "Scoring-Modell" für fachwissenschaftlicher Kompetenz kam, wie es der DTB seit langem verwendet und stets für Krankenkassen vorgeschlagen hatte?

Über die Gründe und den Zeitpunkt kann man letztlich nur spekulieren; es ist wahrscheinlich, daß neben den Vorstößen von Dr. Johann Bölts und den DTB-Vorschlägen auch Kritik der Krankenkassen eine Rolle spielte bzgl. der Qualifizierungen in der Szene. Wie DTB-Unterlagen zeigen, sind viele Lehrende nicht in der Lage, simple Stundenbilder zu erstellen (!). Unterm Strich ist die neue "Zeitenwende" ein großer Fortschritt für Transparenz und Teilnehmerschutz - weit über die Versicherten von Krankassen hinaus.

Szene-Organisationen traf diese Entwicklung ins Mark - ihr Selbstverständnis erlitt einen bislang ungekannten Tiefschlag. So hatte sich ihr "Flagschiff" DDQT ja speziell zusammengefunden, um mit Einrichtungen wie den Krankenkassen und ihren Verbänden zusammenzuarbeiten. Nun ist dieser Image-Gewinn dahin - und mehr noch: Ihm wurden die unprofessionellen Webfehler seines Szene-Konzepts zum Verhängnis und er muss umschwenken. Das bedeutet: Ihre "Lösung" ist Teil des Problems und das viel geschmähte DTB-Korrektiv war mit seinem Scoring-Modell von anfang an das besser geeignete Konzept.

Aus- und Fortbildung in der Taiji-Qigong-Szene

Wer sich für Lehrer-Ausbildung interessiert, sollte bei Szene-Schulen bereits im Vorwege genau erkundigen, ob der Abschluß bei DTB und / oder ZPP/ Vdek anerkannt wird.

Update 2022-5: Mal wieder ein Grund, die Sektkorken knallen zu lassen. Soeben sind die ersten dreißig Absolventen der Lehrerausbildung gemäß den neuen ZPP-Vorgaben problemlos "durchgewunken" worden. Dank der begleitenden Lernkontrolle haben alle die Prüfung bestanden - herzlichen Glückwunsch! Alles ist so vorbereitet, daß der Lehrer-in-spe nur noch seine Dokumente im ZPP-Account hochladen muß. Der Verband begrüßt diese neue Ära als großartigen Beweis für Seriosität, Knowhow und Service. Quelle: Tai-Chi-Qigong-Ausbildung und Krankenkassen-Zulassung nach den neuen Kompetenzbereichen.

Die Block-Module von montags bis freitags sind nutzbar als staatlich anerkannter Bildungsurlaub. Sie betonen den Alltagstransfer und die Resilienz. Hier ein begeistertes Feedback, von denen es hunderte gibt:

Seminar-Feedback von Verena: Liebe Angela, lieber Stephan,  wieder hatten wir eine tolle gemeinsame Seminarwoche. Die Woche war viel zu schnell vorbei. Ihr schafft es immer wieder, die unterschiedlichen Niveaus zu fordern und zu fördern. Mir hat besonders gut die Aufteilung im 1:1-Unterrricht mit Lehrertausch gefallen. Hier konnten vom Anfänger bis zum Ausbilder alle profitieren. Auch die Mischung von Gruppentraining, Plenum und Theorie war genau richtig. Der Anatomieteil, gleich mit Übungen, um das Gelernte zu vertiefen, wurde von euch praxisnah und für alle verständlich dargestellt. Vielen Danke für die wundervolle Woche. Bis bald.